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"Der SCE bleibt auf ewig ein Teil von mir"

Im großen Interview anlässlich des Jubiläums "35 Jahre Bundesliga" erzählte uns der damalige Obmann Rudi Lang über seine Erlebnisse zu jener Zeit. So offenbarte er uns, wie er zu seinem Amt kam, welche Bedeutung der SCE aus seiner Sicht für den burgenländischen Fußball hat und warum ihm ein Spiel gegen Wacker Innsbruck ganz besonders in Erinnerung geblieben ist.

 

Rudi, du warst der letzte “Bundesliga-Obmann” des SCE. Wie kam es dazu, dass du dieses Amt übernommen hast?

 

Ich war zunächst von 1975 bis 1985 Obmann in Purbach, wo uns der Aufstieg von der 1. Klasse bis in die 2. Bundesliga gelang. Mein Vorgänger beim SCE war Fred Kirschner. Fred kam damals auf mich zu und fragte mich, ob ich an seiner Stelle den SCE übernehmen würde, da er sein Amt aus beruflichen Gründen aufgeben muss. Ihm bot sich damals eine große Chance und so bat er mich, die Obmannschaft von ihm zu übernehmen, da er meinte, ich sei aufgrund meines Werdegangs sowie den Erfolgen mit Purbach am besten dafür geeignet. Ich bin anschließend zur Wahl angetreten und wurde so in mein neues Amt votiert.

 

Inwiefern hat dich diese Zeit geprägt? Welche Spuren hat sie in deinem Leben hinterlassen?

 

Diese Zeit hat sehr positive Spuren bei mir hinterlassen. Ich bin so in Kontakt mit der Bundesliga gekommen und durfte in meinen beiden Jahren als Obmann auch als Bundesligavorstand agieren. Das hat mich sehr geprägt, weil ich mit den heimischen Spitzenvereinen täglich im Austausch war. So konnte ich diesen gesamten Bereich nicht nur von sportlicher, sondern auch wirtschaftlicher Seite her kennenlernen. 

 

Kommen wir zum Sportlichen. Was war es damals für eine Herausforderung den SCE ohne große Geldgeber bundesligatauglich zu machen?

 

Es war unheimlich schwer, so wie es auch heute noch ist. Ich habe stets versucht, mit Land, Gemeinde und Sponsoren einen guten Austausch und eine solide Basis zu legen. Grundsätzlich gab es zwei sehr wichtige Faktoren. Erstens in Person von Alfred Tombor, der hauptverantwortlich dafür war, dass die Firma Eduscho beim SCE als Hauptsponsor eingestiegen ist. Der zweite wichtige Faktor war die Bundesländer-Versicherung, die aber aufgrund der ‘Causa Ruso’ leider weggebrochen ist. Dadurch fehlte uns damals ein größerer Schillingbetrag im Budget. Durch mein berufliches Netzwerk gelang es mir, mit der Firma NGL aus Schottland einen großen Sponsor an Land zu ziehen, um dieses Loch zu füllen. 

 

Welche Bedeutung hat der SCE aus deiner Sicht für den Fußball im Burgenland?

 

Die Bedingungen zu jener Zeit waren äußerst gut, das muss ich wirklich sagen. Der SCE war damals nicht nur ein sportlicher, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor in der gesamten Region. Damals wurde etwa, um ein Beispiel zu geben, das große “Fest der 1000 Weine” mit zigtausenden Besuchern im Schlosspark durchgeführt. Wir haben das damals miteinander verknüpft und gemeinsam mit der Wirtschaft vor Ort eine Aktion angeboten. So bekam man mit einer Karte für die Freitagabendspiele des SCE auch kostenlosen Eintritt zum “Fest der 1000 Weine”. Dieses Beispiel zeigt, welchen Stellenwert der SCE für das gesamte Burgenland hatte. 

 

Damals wurden ja auch viele Spiele im Seewinkel ausgetragen, hing das auch damit zusammen?

 

Speziell der Seewinkel war für den Verein ein enorm großes Einzugsgebiet. Das war für alle Beteiligten ein immenser Vorteil. Zudem hatten wir damals viele Kooperationen mit Vereinen aus dem Seewinkel. Damals wurden etwa viele Freundschaftsspiele im Rahmen von Festveranstaltungen durchgeführt. Durch meine zehnjährige Tätigkeit in Purbach war ich mit sehr vielen Funktionären aus der Region vernetzt.

 

Welcher Moment aus deiner Zeit als Obmann ist dir ganz besonders in Erinnerung geblieben?

 

Im Grunde genommen ist jedes einzelne Spiel eine tolle Erinnerung. Am meisten ist mir aber das Spiel SC Eisenstadt gegen Wacker Innsbruck im Lindenstadion in Erinnerung geblieben (am 30. August 1985, Anm.). Die Innsbrucker hatten in jenem Sommer mit Hansi Müller einen wahren Superstar verpflichtet und waren nun bei uns in Eisenstadt zu Gast. Es war das erste Auswärtsspiel der Tiroler mit Hansi Müller und man kann sich vorstellen, was das bedeutete. Das war medial, wie auch von Zuschauerseite her, ein Großereignis. Alle Medien waren schon im Vorfeld mit diesbezüglichen Schlagzeilen voll. Allein im Vorverkauf haben wir damals 8.000 Karten abgesetzt. Es war ein wahrlich denkwürdiges Spiel, das wir erleben durften. Natürlich sind mir auch die großen Transfers in guter Erinnerung, wie der Wechsel von Ossi Steiger zur Wiener Austria oder Heinz Peischl nach Innsbruck, die für die Spieler sehr erfreulich und den Club ein finanzieller Segen waren.

 

Was war rückblickend betrachtet der größte Erfolg in deiner Amtszeit?

 

Definitiv der Verbleib in der Bundesliga 1985/1986. Damals gab es ja einen Modus mit Playoffs, ähnlich wie heute (mehr dazu hier). Wir fanden uns nach dem Grunddurchgang im mittleren Playoff wieder und es kam zu einem Entscheidungsspiel gegen den Salzburger AK. Dieses konnten wir zum Glück gewinnen, was uns den Klassenerhalt sicherte. 

 

Welcher war aus deiner Sicht der beste Spieler, der je beim SCE gespielt hat?

 

Insgesamt betrachtet und auch aus meiner persönlichen Sicht waren Alfred Eisele und Erwin Solleder die besten Spieler. Leider sind beide viel zu früh verstorben, zwei großartige Fußballer, die auch menschlich schwer in Ordnung waren.

 

Welche Erinnerungen hast du an das Lindenstadion?

 

Das Lindenstadion war ein Traum. Eine wunderschöne Anlage. Dazu fällt mir eine Anekdote ein: Bereits zu meiner Zeit gab es seitens der Statiker der Bundesliga Beanstandungen bezüglich des Tribünendaches. Wir haben daraufhin ein Angebot einer Stahlbaufirma eingeholt, der Kostenvoranschlag belief sich auf rund zwei Millionen Schilling - eine Summe, die für uns so natürlich nicht stemmbar war. Der ÖFB hat damals rund 20.000 Schilling zugeschossen, ansonsten waren wir da auf uns alleine gestellt. Wir haben aus den Umständen das Beste gemacht und versucht, das Dach zumindest so weit zu reparieren, dass kein Wasser durchrinnt. Mehr war leider nicht möglich.

 

Was geht dir durch den Kopf, wenn du das Lindenstadion heute siehst?

 

Ich traue mich gar nicht, daran vorbeizufahren. Es ist unfassbar schade. Ich war seit der Schließung auch nicht mehr dort, viel lieber sehe ich mir meine alten Fotos an. Dadurch kann ich das Stadion so in Erinnerung behalten, wie ich es immer kannte.

 

Inwiefern verfolgst du den SCE heute noch beziehungsweise wieder?

 

Natürlich bin ich nach wie vor jemand, der den SCE verfolgt. Ich habe den Verein auch nach meiner Zeit als Obmann nie aus den Augen verloren. Wenn du mit diesem Verein in Kontakt warst, dann bleibt dir das einfach. Du identifizierst dich mit dem SCE und mit dem, was er den Menschen in dieser Stadt und im ganzen Burgenland bedeutet. Das bleibt einfach ein Teil von mir, ganz klar. Das wird auf ewig so sein.

 

Was wünschst du dem SCE für die Zukunft?

 

Sportlich wünsche ich dem Verein, dass man möglichst bald aufsteigen kann. Den Funktionären wünsche ich, dass sie den nötigen Mut haben und immer hinter dem Verein stehen. Aus wirtschaftlicher Sicht wünsche ich dem SCE die nötige Unterstützung und dass man sich viel Zuspruch aufbauen kann. 

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