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"Der Mitropacup-Sieg steht über allem"

Im zweiten Teil unserer Interviewserie anlässlich des Jubiläums "35 Jahre Bundesliga" ist uns Kult-Kapitän Peter Kloiber Rede und Antwort gestanden. Nachdem in Teil 1 Ex-Obmann Rudi Lang mit uns plauderte, war nun also eine Spielerlegende an der Reihe. Peter durchlief beim SCE den gesamten Nachwuchsbereich und stieg am Ende bis zum Kapitän der Bundesligaelf auf. Außerdem erzählte er uns, wie er zum SCE kam, wie er die Duelle mit Krankl und Prohaska erlebte und weshalb er (nicht) der Paolo Maldini des SCE ist.

 

Peter, wie bist du als Kind zum Fußball gekommen?

 

Peter Kloiber: Ich habe als Kind bei einem Vorspielen des SCE teilgenommen. Das fand damals auf dem Fußballplatz der Hauptschule statt. Die Trainer vor Ort haben mich als so talentiert angesehen, dass man mich anschließend in die SCE-Jugend aufgenommen hat. Ich habe also bis zu meinem Wechsel nach St. Margarethen meine ganze Karriere beim SCE verbracht. 

 

Hattest du damals schon den Traum, später im Profifußball unterwegs zu sein?

 

Nein, eigentlich nicht. Ich spiele einfach gerne Fußball. Dass es einmal so weit kommt, hätte ich damals nicht gedacht. Das ist viel mehr Schritt für Schritt gewachsen. 

 

Später wurdest du auch zum Kapitän des SCE: Was bedeutete dir dieses Amt damals?

 

Es war sehr interessant, ein Führungsspieler zu sein. Man ist ja deswegen nichts Besseres, aber wenn man die Schleife auf dem Arm trägt, genießt man ein anderes Ansehen bei seinen Mitspielern. Als Führungsspieler hebt man sich dann so oder so ein Stück weit ab. Das ist, denke ich, aber auch ein Teil dieser Rolle. Es war in jedem Fall eine große Ehre für mich. Ich habe mein Amt sehr gerne ausgeführt.

 

Wie darf man sich dein Leben damals vorstellen? Ihr wart ja allesamt keine Profis, da alles unter einen Hut zu bekommen, war bestimmt nicht einfach.

 

Wir mussten uns damals natürlich mit unserem Berufsleben arrangieren. Von uns war zunächst niemand Profi. Erst später, als etwa die ungarischen Legionäre dazugekommen sind, hatten wir einige Profis im Kader. Alle anderen sind einem Beruf oder einer Ausbildung nachgegangen und haben dann außerhalb dessen Fußball gespielt. Ich habe beispielsweise immer bis 16:00 Uhr gearbeitet und bin anschließend zum Training gefahren. Erst danach ging es ab nach Hause. Es war aber eine sehr schöne und interessante Zeit damals.

 

Was sind rückblickend betrachtet deine schönsten Erinnerungen?

 

Natürlich der Meistertitel und der damit verbundene Aufstieg in die höchste Spielklasse, die ja damals unter dem Namen “1. Division” geführt wurde. Es war schon besonders, als Spieler bei diesem Verein von der Jugend an den Weg bis in die Bundesliga gehen zu dürfen.

 

Wie hast du damals als Spieler die Atmosphäre im Lindenstadion erlebt?

 

Das war wunderschön. Ich kann mich beispielsweise lebhaft an das Spiel gegen Rapid Wien (am 25. Juni 1983, Anm.) erinnern. Das Stadion war damals brechend voll, ausverkauft bis auf den letzten Platz (14.700 Zuschauer, Anm.). Für Rapid, die am Ende ja mit 4:0 gewonnen haben, ging es in diesem Spiel um die Meisterschaft. Der damals verletzte Hans Krankl hat auf Krücken versucht, die Fans von einem Platzsturm abzuhalten. Eine verrückte Begegnung. Das war eines der schönsten Erlebnisse in meiner gesamten Laufbahn. 

 

Du hast als Spieler mit Günther Kaltenbrunner, Ernst Weber und Felix Latzke wahre Trainerlegenden beim SCE erlebt. Welcher der drei war aus deiner Sicht der Beste?

 

Das kann man so nicht sagen. Jeder hat auf seine Art und Weise gearbeitet. Sie waren alle drei sehr gute Trainer, aber entscheidend war ja, was wir als Spieler daraus gemacht haben.

 

Bild: ASVÖ Burgenland
Bild: ASVÖ Burgenland

Gibt es einen früheren Mitspieler, zu dem du ein ganz besonderes Verhältnis hattest?

 

Als ich noch als Spieler aktiv war, war Alfred Eisele meine Leitfigur. Mit ihm verbinde ich sehr viel. Ich habe immer zu ihm aufgeblickt. Als ich etwa noch kein eigenes Auto hatte, hat er mich nach jedem Training nach Hause gebracht. Für mich war er ein großes Vorbild, mit ihm durfte ich sehr Vieles erleben. Es war tragisch, als er damals viel zu früh gestorben ist (28. Februar 2014, im Alter von 66 Jahren, Anm.). 

 

Welche Bedeutung hat der SCE aus deiner Sicht für den Fußball im Burgenland?

 

Aus meiner Sicht eine sehr große, jedenfalls früher. Damals war der SCE etwas sehr Imposantes und sicher der führende Verein im Burgenland. Ich hoffe, dass der Verein dazu beitragen konnte, die Jugend zum Fußball zu bringen. 

 

Wenn du einen herausheben müsstest: Wer war der beste Mit- oder Gegenspieler, mit dem du jemals auf dem Platz stehen durftest?

 

Der beste Mitspieler war für mich Alfred Eisele. Von den Gegenspielern würde ich Hans Krankl oder Herbert Prohaska nennen. Allein diese Namen waren ja schon etwas Besonderes. Ich war ja sehr stolz, dass dem Hans Krankl, der mein direkter Gegenspieler war, damals kein Tor gelungen ist. Das waren zu ihrer Zeit echte Galionsfiguren für den Fußball in Österreich. 

 

Im Jahr 1984 durftest du jene Mannschaft anführen, die mit dem Sieg im Mitropacup für den wohl größten Erfolg in der SCE-Geschichte sorgte. Welche Bedeutung hatte der Titelgewinn für dich?

 

Der Sieg im Mitropacup war damals etwas ganz Besonderes für mich. Immerhin handelt es sich dabei um einen internationalen Titel. Es war das Größte, das ich als Fußballer erleben durfte. Natürlich haben auch die Meistertitel mit dem SCE eine immense Bedeutung für mich, aber über allem steht dieser Erfolg. Wir waren damals sehr stolz auf uns. 

 

Ihr hattet im Rahmen des UI-Cups ja auch Auftritte im internationalen Clubfußball. Wie hast du diese Spiele erlebt?

 

Es war eine Ehre, diese Spiele bestreiten zu dürfen. Es war sehr schön, auch hier international vertreten zu sein. Leider waren die Spiele im UI-Cup nicht sehr erfolgreich für uns (lacht). 

 

Welchen Stellenwert nimmt der SCE in deiner persönlichen Biographie ein?

 

Auf jeden Fall einen sehr hohen. Ich war stolz, als einer von nur wenigen Spielern, den Weg vom Nachwuchs bis in die Bundesliga gehen zu dürfen. Ich bin sehr glücklich, dass ich das erleben durfte. 

 

Du bist also gewissermaßen der “Paolo Maldini von Eisenstadt”.

 

Naja ein so großer Spieler war ich auch wieder nicht (lacht). Aber wie gesagt: Es gab nicht viele, denen dieser Weg so gelungen ist. Einige haben später noch in der Reservemannschaft gespielt, die meisten sind aber aus verschiedenen Gründen weggebrochen. 

 

Wenn du heute auf deine Karriere zurückblickst - wie fällt dein Fazit aus?

 

Ich bin stolz auf das, was ich erreichen konnte. Dass ich all das erleben durfte, macht mich sehr dankbar. Es gab viele besondere Erlebnisse, die ich nicht missen möchte. Natürlich gab es auch negative Ereignisse, aber am Ende überwiegt ganz klar das Positive. 

 

Was wünscht du dem SCE für die Zukunft?

 

 

Ich wünsche dem Verein viel Erfolg und dass man sich wie gewünscht weiterentwickeln kann. Mehr braucht es ja am Ende nicht.

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