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"Der SCE war eine tolle Erfahrung"

Im vierten Teil unserer Interviewreihe anlässlich des 35-jährigen Bundesligajubiläums stand uns dieses Mal Josef Michorl Rede und Antwort. Der Onkel von LASK-Star Peter absolvierte zwischen 1985 und 1988 insgesamt 28 Spiele für den SCE. Derzeit arbeitet der heute 54-Jährige als Trainer von SR Donaufeld in der Wiener Stadtliga. Bis 2011 war er Co-Trainer der Wiener Austria, mit der er 2009 Cupsieger wurde. Im Interview erzählte er uns über seine Erfolge in Wien Favoriten, was er seinem Neffen Peter noch zutraut und natürlich über die für ihn unvergessene Zeit beim SCE.

 

Josef, du bist aktuell Trainer bei Donaufeld in der Wiener Stadtliga. Wien ist ja das einzige Bundesland, in dem zumindest die Herbstmeisterschaft fertig gespielt wird. Wie stehst du zu dieser Entscheidung?

 

Josef Michorl: Ich begrüße das, weil es ein Schritt in Richtung Normalität ist. Es ist für alle Beteiligten sehr spannend und herausfordernd. Die sportliche Bewertung dessen muss man zwar in Frage stellen, aber man bekommt wieder einen Rhythmus und es ist anders, als nur zu trainieren. Wir haben vor Kurzem wieder mit dem Training begonnen und ich sehe die unterschiedlichsten körperlichen Verfassungen meiner Spieler. Fußball vereint aus sportlicher Sicht die verschiedensten Komponenten, wodurch alles sehr komplex ist. Wir müssen nun erst einmal sehen, wie das alles in der Realität aussieht. 

 

Derzeit stehen mit der Vienna, Wienerberg und Union Mauer drei Teams mit jeweils 27 Punkten an der Spitze. Wem traust du den Aufstieg am ehesten zu?

 

Ganz klar der Vienna. Wenn nicht irgendetwas Außergewöhnliches passiert, werden sie es schaffen. Sie haben hinsichtlich der Mannschaft, dem Umfeld und weiteren Rahmenbedingungen sicher die besten Voraussetzungen. 

 

Wie fällt dein bisheriges Fazit über deine Zeit bei Donaufeld aus?

 

Es ist in Wien von der Mentalität der Spieler her deutlich anders als beispielsweise in Niederösterreich, wo ich zuletzt gearbeitet habe (beim ASV Vösendorf, Anm.). Da musste ich mich anfangs auch erst zurechtfinden und diesbezüglich mehr von den Spielern einfordern. Der Fußball in Wien ist wesentlich technischer, als in den umliegenden Bundesländern. Die dahingehende Qualität der Jungs hat mich zu Beginn wirklich überrascht. Zudem sind die Spieler in Wien taktisch sehr gut ausgebildet. Ich muss sagen, dass ich wirklich einen tollen Club erwischt habe. Die Sportanlage sowie die Trainingsmöglichkeiten sind hier sehr gut. Donaufeld ist ja außerdem ein Traditionsverein, wo immer zahlreiche Zuschauer zu den Spielen kommen. Die zweimalige Pause aufgrund der Pandemie beeinträchtigt meine Beurteilung natürlich schon, deshalb ist es schwierig für mich, hier ein Fazit zu ziehen. Alles in allem sehe ich die Gesamtsituation aber sehr positiv. 

 

Wie schätzt du das Niveau der Stadtliga im Vergleich zur Burgenlandliga ein?

 

Wir hatten in der Vergangenheit einige Vorbereitungsspiele gegen Teams aus der Burgenlandliga. Meine Spieler waren da immer erstaunt, wie körperlich im Burgenland und auch in Niederösterreich gespielt wird. Das schlägt sich dann bei uns natürlich auf die Mentalität nieder, weshalb es schwierig zu bewerten ist. Man sieht hier also schon, wo die Schwerpunkte liegen. Unter dem Strich wird es sich, so denke ich, ausgleichen. Im Burgenland liegen die Stärken eher im körperlichen Bereich, in Wien ist dafür das technische Know-how besser. 

 

Quelle: Wikimedia(Steindy)/CC BY-SA 2.0/https://bit.ly/3fxdIap
Quelle: Wikimedia(Steindy)/CC BY-SA 2.0/https://bit.ly/3fxdIap

Lass uns über deine Trainervergangenheit sprechen. Du warst zwischen 2006 und 2011 Co-Trainer bei der Wiener Austria. Welche Erinnerungen hast du an deine Zeit dort?

 

Ich durfte damals eine wirklich tolle Mannschaft betreuen. Bei der Austria gab es ja zu dieser Zeit einen großen Umbruch. Viele heutige Stars, wie Zlatko Junuzovic, Aleks Dragovic, Julian Baumgartlinger oder Rubin Okotie, begannen sich damals zu etablieren. Zudem durfte ich auch mit vielen internationalen Stars zusammenarbeiten, beispielsweise Milenko Azimovic oder Jocelyn Blanchard. Es hat wirklich Spaß gemacht, diese Burschen zu trainieren. Den ganz großen Erfolg, den Meistertitel zu stemmen, konnten wir zwar leider nicht realisieren, dennoch war es eine tolle Zeit. Wir hatten ja auch international viele tolle Erlebnisse. Insgesamt konnten wir dreimal die Gruppenphase in der Europa League erreichen, mit denkwürdigen Spielen gegen AZ Alkmaar oder Werder Bremen. 

 

Gibt es eine Anekdote aus deiner Zeit bei der Austria, die du unseren Fans gerne erzählen möchtest?

 

Ja, da fällt mir etwas ein: Als wir im Jahr 2009 im Cupfinale standen, haben wir uns in Eisenstadt vorbereitet. Da haben wir einen Spaziergang im Schlosspark gemacht. Ich habe spontan zu den Jungs gesagt: ‘Kommt’s mit, ich zeige euch das Stadion, in dem ich früher gespielt habe!’. Daraufhin habe ich sie zum Lindenstadion geführt und natürlich ungläubige Blicke geerntet, woraufhin einer der Burschen meinte: ‘Das dürfte aber schon ein paar Wochen her sein, Trainer!’ (lacht). Es ist jedenfalls sehr schade, was aus diesem schönen Stadion geworden ist.   

 

Ihr wart mit der Austria damals eine große Nummer. Salzburg, Rapid, die Austria und Sturm Graz haben sich deutlich vom Rest der Liga abgehoben. Wo siehst du die Gründe dafür, dass die Liga heute, mit Ausnahme von Salzburg, wesentlich ausgeglichener ist?

 

Ein großer Grund dafür ist sicher Red Bull Salzburg. Sie haben dem österreichischen Fußball durch ihre Arbeit und ihre Philosophie sehr viel Auftrieb gegeben. Viele andere Teams haben das später übernommen und für sich adaptiert. In Folge konnten, wie etwa beim WAC oder dem LASK, international tolle Erfolge erzielt werden - da diese versuchen, einen ähnlichen Fußball zu spielen. Dadurch hat der Fußball in Österreich sicherlich profitiert. Natürlich haben sie nicht die Qualität wie Salzburg, aber man sieht, dass man mit der richtigen Mentalität und Leidenschaft sehr viel bewegen kann. 

 

Ein Wort zu deinem Neffen Peter, der ja beim LASK für Furore sorgt. Traust du ihm den Wechsel in eine große Liga zu? 

 

Diesen Sprung traue ich ihm jedenfalls zu. Man muss aber bedenken, dass er bereits jetzt bei einem tollen Verein spielt, der in den letzten Jahren große Erfolge gefeiert hat. Es war sehr schön zu sehen, wie er sich sowohl als Persönlichkeit, aber auch sportlich mit dem Club mitentwickelt hat. Er konnte beim LASK zu dem Spieler reifen, der er jetzt ist. Deshalb glaube ich auch, dass er es in einer größeren Liga schaffen kann. Hier stelle ich mir aber immer die Frage, ob es nicht besser ist, bei einem Topclub in Österreich zu spielen, als beispielsweise bei einem Nachzügler in Deutschland. Meiner Meinung nach wäre es in so einem Fall gut, zu einem der besten zehn Teams aus der 1. Bundesliga oder einem der Top drei aus der 2. Bundesliga zu wechseln. 

 

Du bist ja auch als Spielerberater tätig. Wie kann man sich den Alltag in diesem Job vorstellen?

 

Der Alltag ist sehr komplex und abwechslungsreich, was ihn auch sehr herausfordernd macht. Das geht vom Scouting, über Betreuung bis hin zur Vermittlung. Das ist auch der Grund, warum mir dieser Job so viel Spaß macht. Ich versuche immer, meine Klienten umfassend zu betreuen, also mit adäquater Karriereplanung und guter Betreuung. Mein Ziel ist es, sie sukzessive weiterzubringen. 

 

Was muss man in so einem Job mitbringen?

 

Man sollte sehr viel soziale Kompetenz mitbringen. Zudem ist es nicht schlecht, ausreichend Fußballfachwissen sowie kaufmännisches Talent zu haben. Die Mischung aus diesen drei Komponenten macht es aus meiner Sicht am Ende aus. 

 

SCE-Legende "Löwe" Horvath (l.) und SCE-Coach Ernst Weber (r.) 1985
SCE-Legende "Löwe" Horvath (l.) und SCE-Coach Ernst Weber (r.) 1985

Kommen wir zu deiner Zeit als aktiver Spieler. Du bist 1985 von der Admira zum SCE gewechselt. Mit welchen Erwartungen bist du damals in die Landeshauptstadt gekommen? 

 

Ich war damals ein sehr junger Spieler (19 Jahre, Anm.). Bei der Admira konnte ich mich nicht so richtig durchsetzen. Der damalige SCE-Trainer Ernst Weber war dort zuvor mein U21-Trainer und lotste mich deshalb nach Eisenstadt. Für mich war es eine tolle Erfahrung, weil ich so erstmals in der Bundesliga spielen konnte. Leider habe ich mir nach nur wenigen Spielen das Kreuzband gerissen. Danach war ich ein ganzes Jahr außer Gefecht. Ich bin dann zur Admira zurückgekehrt und als der SCE in die zweite Liga abgestiegen ist, bin ich wieder dorthin gewechselt. 

 

Gibt es ein Spiel beim SCE, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

 

Die Duelle mit der Admira waren natürlich speziell für mich. In Eisenstadt hatte ich zum ersten Mal wirklich das Gefühl, Teil einer Mannschaft zu sein. Das hat mir viel bedeutet. Ich komme ja aus Götzendorf - also nicht von weit weg - und hatte auch eine Beziehung zum Verein. Es hat mir damals wirklich leid getan, dass es den Verein plötzlich nicht mehr gab. Ich finde es schön, dass der Verein wieder besteht und so ambitioniert gearbeitet wird. 

 

Wie hast du den SC Eisenstadt damals erlebt? 

 

Der SCE war ein toller Club, das muss ich wirklich sagen. Mit einer super Fangemeinde, es war sehr familiär. Das alles hatte ein sehr spezielles Flair. Das Lindenstadion war ja wirklich ein Schmuckstück. Es hat mir wirklich gefallen, dort zu spielen. Der SCE hatte damals wirklich viele gute, junge Spieler wie Matthias Bleyer, Ossi und Horst Steiger oder Ronny Unger. 

 

Was traust du dem SCE in den nächsten Jahren zu?

 

Zunächst einmal hoffe ich, dass es den Verein noch lange gibt. Das ist das allerwichtigste. Ich wünsche dem SCE außerdem, dass man wieder in höhere Ligen vorstoßen kann. So wie die Verantwortlichen den Club leben und wie sie ihre Arbeit machen, sehe ich den SCE auf einem guten Weg. Ich würde mir sehr wünschen, einmal mit Donaufeld in der Regionalliga gegen den SCE anzutreten. 

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